Gedanken zum Pfadfindergebet

von P. Markus Christoph

Ewiges Wort,
eingeborener Sohn Gottes,
lehre mich die wahre Großmut,
lehre mich Dir dienen, wie Du es verdienst:
Geben, ohne zu zählen,
Kämpfen, ohne der Wunden zu achten,
Arbeiten, ohne Ruhe zu suchen,
Mich hingeben, ohne Lohn zu erwarten.
Mir genüge das frohe Wissen,
Deinen heiligen Willen erfüllt zu haben.
Amen

Das Pfadfindergebet wurde vom hl. Ignatius von Loyola (1491-1556) verfasst, also lange bevor es überhaupt Pfadfinder gab. Warum hat man es später als „Pfadfindergebet“ ausgewählt? Was hat das Gebet mit dem Ideal des Pfadfindertums und speziell mit der Grünen Stufe zu tun?

Das Gebet beginnt mit der Anrede „ewiges Wort, eingeborener Sohn Gottes“. Den besonderen Sinn dieser Anrede werden wir erst ganz am Ende verstehen. Der eigentliche Schlüsselsatz des Gebetes liegt in der ersten Bitte: „Lehre mich die wahre Großmut.“ Alles Übrige ist gewissermaßen eine Erläuterung und Weiterführung dieser Bitte.

Lehre mich die wahre Großmut

Was ist Großmut? Im alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnen wir jemanden als großmütig, der sich für andere einsetzt, selbst wenn es ihn etwas kostet. „Großmütig“ im Sinn von „großzügig“. Wir sind „großmütig“, wenn wir einen hilfsbedürftigen Mitmenschen unterstützen oder wenn wir Menschen, die uns verletzt haben, „großmütig“ verzeihen.

Die ursprüngliche Bedeutung von Großmut liegt jedoch viel tiefer. Großmut meint – ganz wörtlich – „Mut zum Großen“. Großmut, lateinisch magnanimitas, ist – so erklärt der hl. Thomas von Aquin – das „Sich spannen des Geistes auf die großen Dinge“ (Summa Theologiae II-II 129,1). Großmütig ist, wer sich nicht mit dem Mittelmaß zufrieden gibt; wer sich an Großes heranwagt, auch wenn es Anstrengung kostet; wer seine Talente nicht vergräbt, sondern sich Großes zu-mutet. Pointiert formuliert: Großmut bedeutet Mut zur Herausforderung, Mut zum Maximum.

Aber bedeutet das Streben nach Großem nicht Stolz? Nein. Stolz ist, wer sich Vorzüge zuschreibt, die er in Wirklichkeit nicht besitzt; wer sich für Einstein hält, obwohl er schon mit dem Einmaleins überfordert ist. Und stolz ist, wer bei den Fähigkeiten, die er tatsächlich hat, vergisst, dass sie ihm geschenkt sind; wer ein Genie ist, aber übersieht, dass seine Genialität von Gott kommt. Dagegen hat die Tatsache, dass man ein Genie ist (oder eins werden will), noch nichts mit Stolz zu tun. Und darum ist auch der Mut, nach Großem zu streben, nicht schlecht, sondern eine Tugend. Noch mehr: Gott erwartet diesen Mut von uns. Er hat uns unsere Talente gegeben, damit wir Großes aus ihnen machen.

Der Großmut eines Pfadfinders kann z.B. ganz konkret darin bestehen, seine Freizeit vor dem Computer zu opfern und sich zuzutrauen, ein kleines Geländespiel für die Sippenstunde zu organisieren, ein Theaterstück für seine Sippe zu schreiben, oder als frisch übergetretener Wöl ing ein originelles Spiel für die Sippenstunde vorzubereiten. Mut zur Herausforderung. Großmut kann sein, in seiner Freizeit für das nächste Sommerlager Französisch zu lernen, Gitarre zu üben, Nachhilfelehrer für einen jüngeren Pfadfinder zu spielen. Immer gehört der Mut dazu, sich eine große Sache zuzutrauen.

Freilich, nicht jedes Streben nach Großem ist gleichermaßen tugendhaft. Darum bitten wir im Pfadfindergebet um wahre Großmut, d.h. um den Mut, nach dem zu streben, was in Wahrheit groß ist, nicht nur in den Augen der Welt (z.B. Profifußballer oder Topmodel werden). Was wirklich groß ist, verstehen wir jedoch nur dann, wenn wir Gottes Plan für unser Leben erkennen und uns zu Eigen machen – im Alltag, in der Freizeit. Herr, was willst du von mir? Zusammen mit Maria dürfen wir antworten: „Fiat. Mir geschehe nach deinem Wort.“ Das mutige Ja zum Willen Gottes bedeutet wahre Groß-Mut; Mut zum Maximum. Mut zur Heiligkeit. Denn Heiligkeit ist das Maximum.

In diesem Sinn ist – so stellt der hl. Thomas fest – der Großmütige „wählerisch“. Er ist nicht mit dem Erstbesten zufrieden, sondern sucht das wirklich Große. Auch als Pfadfinder dürfen und sollen wir wählerisch sein: Wir können nicht alles, was uns begegnet und fasziniert, ausprobieren. Wir müssen auswählen, uns auf das Wesentliche konzentrieren, Nein-sagen zu Unwichtigkeiten und Nebensächlichkeiten – die oft gerade besonders angenehm sind (Stunden vor Fernseher, Smartphone und Internet…). Nur dann werden wir frei für das Große, zu dem wir geschaffen sind.

Es ist kein Zufall, dass das eigentliche Gegenteil des Großmuts die Wurzelsünde der Trägheit (acedia) ist – womit nun nicht der faule Schüler gemeint ist, der seine Hausaufgaben nicht macht. „Trägheit“ meint unsere satte Zufriedenheit als Durchschnittschristen, wenn wir still bei uns denken „Ich bin doch eigentlich ganz ok; die anderen tun ja auch nicht mehr“. Gott erwartet von uns nicht Anständigkeit oder ok-Sein, sondern Streben nach Heiligkeit.

Zurück zum Pfadfindergebet: Wenn wir als Pfadfinder um wahre Großmut beten, so erbitten wir damit einerseits die rechte Erkenntnis des Wegs zu unserem ganz persönlichen „Maximum“ der Heiligkeit, und andererseits den Mut und die Kraft, mit Ausdauer nach diesem großen Ziel zu streben.

Lehre mich dir dienen, wie du es verdienst

An den Satz von der Großmut schließt das Pfadfindergebet unmittelbar die Bitte an, Jesus möge uns lehren, ihm so zu dienen, wie er es verdient. Beide Sätze beginnen mit den Worten „Lehre mich…“, denn beide Bitten gehören zusammen. Denn das Größte, wozu wir Menschen fähig sind, wonach wir uns mutig bemühen sollen (Groß-Mut), besteht genau darin: Gott zu dienen; für ihn da zu sein. Hier wird nochmals ganz klar, dass wahre Großmut nicht Stolz bedeutet, sondern den demütigen Dienst. Je größer wir mit unserem Groß-Mut sein wollen, desto mehr müssen wir zum Dienen bereit sein. Genau das lehrt Jesus: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“ (Mk 10,43). Großsein und Dienen gehören zusammen; Großmut und Jesus-dienen ist dasselbe.

Auf welche Art sollen wir Jesus dienen? Das Gebet nennt im Folgenden vier konkrete Punkte: (1) Geben, ohne zu zählen; (2) kämpfen, ohne der Wunden zu achten; (3) arbeiten, ohne Ruhe zu suchen; (4) mich hingeben, ohne Lohn zu erwarten. Dabei bilden die ersten drei Punkte eine Einheit, indem sie konkrete Verhaltensweisen erläutern, während im vierten Punkt eine innere Haltung beschrieben wird – nämlich Hingabe –, die die drei vorigen Punkte beseelen muss.

Geben, ohne zu zählen

…lautet die Grundhaltung, die Jesus von uns gegenüber unseren Mitmenschen verlangt. Wenn dir jemand das Hemd wegnimmt, lass ihm auch den Mantel (Mt 5,40) – nicht zählen, sondern Großzügigkeit im Umgang mit materiellen Gütern. Wenn dich jemand zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, geh zwei mit ihm (Mt 5,41) – nicht zählen, sondern Großzügigkeit beim Verschenken von Zeit. Tut Gutes und leiht, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt (Lk 6,35) – nicht zählen, einfach geben. Nicht nur gegenüber unseren Freunden (welchen Lohn erwartet ihr dafür?), sondern gegenüber allen Menschen, selbst dann, wenn wir keine Gegenleistung erhoffen können. Einfach immer.

Freilich, damit ist nicht gemeint, man solle mit seinem Hab und Gut, mit seiner Zeit unüberlegt umgehen. Jesus betont gleichzeitig, man müsse sein Vermögen genau zählen, bevor man einen Turm baue (Lk14,28-30). Wer auf Zeltlager für die Verp egung verantwortlich ist, darf nicht schon am ersten Tag Nutella nach dem Motto „geben ohne zu zählen“ verteilen. Wir sollen klug mit Geld und Zeit umgehen, und am Ende wird Jesus Rechenschaft verlangen, wie wir unsere Talente eingesetzt haben. Aber er warnt uns vor dem kleinlichen Zählen unseres Engagements, wenn jeweils konkret unsere Hilfe gebraucht wird. Wenn wir als Pfadfinder sehen, dass irgendwo Not am Mann ist, dann sollen wir beherzt zupacken, ohne lange Kosten-Nutzen-Rechnungen. Kurz: Geben, ohne zu zählen.

Kämpfen, ohne der Wunden zu achten

…das soll unsere Grundhaltung gegenüber unseren Feinden sein. Achtung, hier sind nicht die Pfadfinder der anderen Sippe beim Geländespiel gemeint; sie sind nicht Feinde, sondern Pfadfinderbrüder, mit denen wir uns im Wettkampf messen. Auch Bankräuber, Terroristen oder IS-Kämpfer sind hier nicht gemeint; auch sie sind nicht unsere Feinde, sondern selber Opfer von Irrtum und Verführung (für die wir beten, nicht kämpfen sollen). Unsere Feinde sind nicht Mitmenschen, denn die sollen wir ohne Ausnahme lieben, selbst wenn sie selber uns feindlich gesinnt sind.

Wer also sind unsere wirklichen Feinde? Die Antwort ist unpopulär, aber Jesu ist in diesem Punkt glasklar. Am Ende des Vaterunsers lässt er uns beten: „Erlöse uns von dem Bösen“. Der KKK erklärt dazu: „In dieser Bitte ist das Böse nicht etwas rein Gedankliches, sondern bezeichnet eine Person, Satan, den Bösen, den Engel, der sich Gott widersetzt. Der ‚Teufel‘ [diabolos] stellt sich dem göttlichen Ratschluss und dem in Christus gewirkten Heilswerk entgegen“ (KKK 2851). Unser eigentlicher Feind ist der Böse, Satan. Gegen ihn müssen wir kämpfen ohne der Wunden zu achten. Genau dasselbe schreibt Paulus: „Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs“ (Eph 6,11-12). Und Petrus ergänzt: „Seid nüchtern und wachsam. Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann. Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens“ (1Petr 5,8-9).

Gegen den Bösen kämpfen, ohne der Wunden zu achten. In diesem Kampf werden wir immer wieder verwundet, nämlich wenn wir der Versuchung nachgeben, wenn wir uns für Hass, für Eigennutz, gegen die Liebe entscheiden, wenn wir sündigen oder Gutes unterlassen. Wir werden verwundet, aber wir sollen weiterkämpfen. Nie resignieren, nicht auf die Wunden achten. „Wenn Dein letzter Tag Dich nicht als Sieger vorfindet, soll er Dich noch als Kämpfer treffen!“
(hl. Augustinus).

Arbeiten, ohne Ruhe zu suchen

Hat das Pfadfindertum das Ziel, junge Menschen möglichst gut auf einen 7/24-Arbeitsrhythmus vorzubereiten? Nein. Erholung und Ruhephasen sind notwendig. Gott selbst hat den siebten Tag in den zehn Geboten als Tag der Ruhe festgelegt. Es gehört zur tugendhaften Sorge um unsere Gesundheit, dass wir für den nötigen Ausgleich sorgen. Gerade als Pfad¬nder sollen wir lernen, unsere eigene Leistungsfähigkeit samt ihren Grenzen kennen und realistisch einschätzen zu lernen („Sinn für’s Konkrete“).

Die Bitte „arbeiten, ohne Ruhe zu suchen“ zielt nicht auf ein rastloses sich Verausgaben, sondern auf die freudige Bereitschaft, freiwillig für eine große Sache (Stichwort „Großmut“) Anstrengung und Mühe auf sich zu nehmen, sich mit aller Kraft für ein Projekt zu investieren – statt jeder Anstrengung weiträumig auszuweichen. Jeder kennt die Sorte von Pfad¬nder, die sich freiwillig zum Einkaufen melden, weil sie so am einfachsten anderen anstrengenden Aufgaben aus dem Weg gehen können. „Arbeiten, UM Ruhe zu suchen“, so lautet salopp gesagt ihre Maxime. Den Pfadfinder soll die gegenteilige Bereitschaft auszeichnen, nämlich die Fähigkeit, die eigene Bequemlichkeit zu überwinden, wenn die Realisierung einer guten Sache seinen Einsatz braucht.

Soweit die drei Konkretisierungen zur Bitte „Lehre mich dir dienen, wie du es verdienst“. Wir dienen Gott, indem wir …allen Menschen geben, ohne zu zählen…gegen den Bösen kämpfen, ohne der Wunden zu achten …selber arbeiten, ohne Ruhe zu suchen.

Mich hingeben, ohne Lohn zu erwarten

Das Geben, Kämpfen, Arbeiten, von dem soeben die Rede war, muss getragen sein von einer inneren Haltung, nämlich von Hingabe: „Mich hingeben, ohne Lohn zu erwarten“. Tatsächlich kann man seinen Mitmenschen „geben, ohne zu zählen“ auch ohne Hingabe, z.B. könnten einem Caritas-Funktionär die Armen, die er „verwaltet“, egal sein. Genauso kann man „arbeiten, ohne Ruhe zu suchen“ ohne Hingabe, z.B. einem Pfarrer, dem es in erster Linie um äußere Aktivitäten in seiner Pfarrei geht. Unser Einsatz hat nur dann einen wirklichen Wert, wenn er mit innerer Hingabe vollzogen wird (darum beten wir im Gebet des Rovers um den „Geist des Dienens und der Hingabe“).

Hingabe ist nur aufrichtig, wenn sie ohne Hintergedanken geschieht. Wer sich hingibt, weil er auf eine Belohnung spekuliert, der handelt nicht aus Hingabe, sondern aus Berechnung. Ihm geht es in Wirklichkeit gar nicht um den Anderen oder um die gute Sache, sondern um sich selber, um seinen Eigennutz. Damit wir Gott dienen, wie er es verdient, muss unser Geben, Kämpfen und Arbeiten für ihn allein sein, beseelt von Geist der Hingabe, die für sich keinen Lohn erwartet.

Exkurs: Die vier Kardinaltugenden im Pfadfindergebet

Ein gutes moralisches Leben lässt sich bekanntlich mit vier Haupttugenden, den sog. Kardinaltugenden, zusammenfassen: (1) Die Klugheit befähigt uns, in jeder Situation die richtige Entscheidung zu treffen. (2) Die Gerechtigkeit hilft uns, unsere Mitmenschen so zu behandeln, wie es (ge)recht ist. (3) Die Tapferkeit stärkt uns, damit wir auch bei äußeren Schwierigkeiten das Gute tun. Und (4) die Mäßigkeit ordnet unsere inneren Begierden. Alle vier Tugenden finden sich im Pfadfindergebet. (1) Die Bitte „Lehre mich Großmut“ entspricht der Klugheit; Jesus soll mich das Wissen lehren, wann ich mir was zutrauen soll. (2) „Geben ohne zu zählen“ regelt unser Verhältnis zu Mitmenschen und gehört damit zur Tugend der Gerechtigkeit. (3) Der Zusammenhang zwischen der Tapferkeit und „Kämpfen ohne der Wunden zu achten“ ist offensichtlich. (4) Das „Arbeiten ohne Ruhe zu suchen“ entspricht der Mäßigkeit, denn beides hängt wesentlich von der Überwindung der eigenen Bequemlichkeit ab. Alle vier Kardinaltugenden sind im Gebet angesprochen.

Damit nicht genug. Wie gesehen, bringt der anschließende Satz „mich hingeben, ohne Lohn zu erwarten“ die innere Haltung zum Ausdruck, die all diese Tugendakte beseelen muss; ebenso wurde klar, dass Hingabe und Liebe identisch sind. Die Liebe zählt aber für uns Christen zu den drei göttlichen Tugenden, sie ist sogar die wichtigste und durchformt innerlich alle anderen Tugenden. Auf diese Weise bitten wir im Pfadfindergebet um die wichtigsten Haupttugenden, die wir Christen kennen.

Mir genüge das frohe Wissen, deinen heiligen Willen erfüllt zu haben.

Der obige Satz, wahre Hingabe erwarte keinen Lohn, war nicht genau. Auch die Hingabe kennt einen Lohn, nämlich die Freude, die wir im Herzen erfahren, wenn wir den Willen Gottes erfüllen. Wer einen anderen Menschen ehrlich liebt, erwartet für diese Liebe keine Belohnung. Er ist glücklich, den anderen lieben zu dürfen. Oder genauer: Das Liebendürfen selbst ist Lohn genug. Genauso verhält es sich bei unserer Hingabe an Gott (die ja nichts anderes als Liebe ist). Auch sie hat ihren Lohn, nämlich die Freude, die wir im Akt der Hingabe erfahren. BiPi: „Das eigentliche Glück aber findet ihr darin, dass ihr andere glücklich macht.“ Es ist das frohmachende Wissen, gemäß dem Plan des Schöpfers zu leben.

Ewiges Wort, eingeborener Sohn Gottes

Wir sind am Ende des Pfadfindergebetes angelangt. Noch fehlt die Erklärung für die Anrede „ewiges Wort“ im ersten Satze. Im ersten Kapitel des Johannesevangeliums bezeichnet der Begriff „Wort“ die zweite göttliche Person. „Im Anfang war das Wort, (…) und das Wort war Gott, (…) und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,1.14). Warum verwendet das Pfadfindergebet den Titel „ewiges Wort“ für Jesus?

Worte haben die Aufgabe, Kommunikation zwischen Personen zu ermöglichen. Jesus ist das Wort, weil er uns vom Vater Kunde bringt, so dass wir dem Vater durch unseren Glauben antworten können. Dabei ist die Botschaft Jesu mit dem Evangelium nicht einfach beendet. Jesus spricht auch heute zu uns: Durch die Kirche, beim Lesen der Bibel, im Gewissen, durch Mitmenschen, durch Fügungen, durch Situationen im Alltag – unser ganzes Leben ist ein fortlaufender Anruf Gottes an uns, ein „ewiges Wort“, das auf unsere Antwort wartet, d.h. auf unsere Bereitschaft, zu seinen Plänen für unser Leben Ja zu sagen. Wir sind wieder beim Großmut, beim Mut zum Maximum.

Genau darum beginnt das Pfadfindergebet mit der Anrede „Ewiges Wort“. Der Wahlspruch der Grünen Stufe lautet „allzeit bereit“. Wir sollen nicht nur bereit sein, unseren Mitmenschen jederzeit zu helfen, sondern vor allem für Gottes Anruf in unserem Leben bereit sein, denn er spricht tatsächlich immer und überall zu uns; er ist das „ewige Wort“ an uns, dem wir stets unser „Fiat – dein Wille geschehe“ sprechen sollen.

(Erschienen in PM 136 2/2016, S. 18-22)

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